Traumhafte Wahlbeteiligung

Die Kommunalwahl in Lippstadt am Sonntag hatte eine Beteiligung von 42,1 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Lippstädter war also des Wählens müde. Wahrscheinlich dachten sich einige Bürger, ihre Müdigkeit reiche so weit, dass sie die nächste Legislaturperiode komplett verschlafen. So gesehen hatten wir eine traumhafte Wahlbeteiligung! Ich hoffe nur, das Erwachen wird nicht ganz so schlimm.

De Facto hat am Sonntag in Lippstadt weniger als die Hälfte aller Bürger darüber entschieden, was in und mit ihrer Stadt politisch geschieht. Und wie nennt man noch gleich die Herrschaftsform, in der wenige über das bestimmen, was die Mehrheit tut?Ich komm‘ nicht drauf …

16 Gedanken zu „Traumhafte Wahlbeteiligung

  1. Sascha

    …ich komm auch nicht drauf 😉

    Fakt ist jedoch, dass die derzeit schlafenden Bürger (57,9%), wenn sie denn dann wach werden, fit genug sind sich über alles aufzuregen (was „über Ihre Köpfe hinweg“ bestimmt wird) und das mit vollem Einsatz bis zum Ende der Legislaturperiode zum besten geben. Um dann wieder vor lauter Erschöpfung die Wahl zu verschlafen… Ein Teufelskreis 🙂

  2. K.A.L.L.A.

    mist dann gehöre ich ja jetzt einer mehrheit an…also das wollte ich nicht!!!

  3. Andreas Knepper Artikelautor

    @Sascha: Wären die Nichtwähler doch nur eine homogene Gruppe mit vereinten Zielen. Dann könnte man dem Akt des Nichtwählens ja vielleicht noch sowas wie ein gemeinsames politisches Ziele andichten. Und du hast recht: Nörgeln scheint mit dem Nichtwählen im direkten, bislang viel zu wenig erforschten Zusammenhang zu stehen ;o)

    @ K.A.L.L.A.: Erst auf olle Kommerzfestivals gehen und jetzt auch das noch ;o))))

  4. Sascha

    @ Andreas: fleißig nörgeln, streng nach dem Motto: ich kann ja nichts dafür – ich habe DIE nicht gewählt… Mitbestimmung ist ja auch blöd anstrengend und öde.

  5. Alfons

    Ohne Dieter Bohlen und Heidi Klum geht das auch nicht und Horst Schlämmer hat auch nicht kandidiert. Selbst Mario Barth stand auf keinem der Wahlzettel. So geht das nicht…..

  6. anna

    Ich denke, dass ihr den Nichtwählern da einfach zu vorschnell mangelnde Intelligenz, Dumpfbackigkeit und Nörgelei unterstellt. Sicher, es wird einige darunter geben, die einfach keine Laune hatten und nur meckern. Es wird aber auch eine ganze Menge Menschen geben, die aus anderen Gründen nicht gewählt haben. Z.B. weil ihnen der dauernden Filz stintk, weil sie keine Lust mehr auf haltlose Versprechen haben, weil sie keinen der Kandidaten befürworten oder was weiß ich. Möglicherweise haben einige Menschen auch keinen hinreichenden Grund gefunden, um wählen zu gehen. Vielleicht sollte man die große Gruppe der Nichtwähler einfach mal ernster nehmen.

  7. Andreas Knepper Artikelautor

    @anna: Ernst nehmen muss man das Thema auf jeden Fall! Tue ich auch, sonst wäre der Artikel gar nicht erst entstanden.

    Wie du richtig schreibst: Nicht wählen hat unterschiedliche Gründe. Deshalb ist es auch falsch die Nichtwähler als „eine Gruppe“ zu bezeichnen.

    Nur eines sollte klar sein: Wer nicht wählt, gibt damit kleineren politischen Gruppen ein größeres Gewicht. Insofern ist Nicht wählen ebenso eine Wahl, nämlich die der (nicht immer, aber erschreckend oft) rechten, linken und … sagen wir mal … kauzigen politischen Gruppen. Dann kann man ja gleich die Nazi- oder Religionspartei seines Herzens wählen. Das muss verinnerlicht werden, bevor man sich für’s bewusste Nichtstun entscheidet! Für mich ist das auf jeden Fall ein NOTWENDIGER Grund, wählen zu gehen und mindestens eine demokratische Partei anzukreuzen.

    Da du einen (wie ich finde sehr lustigen und obendrein gut zu lesenden) Blogartikel drüber geschrieben hast, bist du ja vielleicht auch eine Nichtwählerin?! Wenn ja, und damit hier niemand weiter wilde Sachen unterstellen kann: Was war denn der Grund für dich, nicht zu wählen?

  8. Sascha

    @anna: Es sollte nicht falsch verstanden werden und es war auch nicht so gemeint, dass alle „Nichtwähler“ nörgler sind – doch leider sind es zu oft genau diese, welche sich immer öfter zum nörgeln hinreißen lassen… Was würden wohl sowohl die Nichtwähler als auch die Wähler bei einer Wahl, bei der es um die Entscheidung geht, eine Wahlpflicht einzuführen tun? Wie hoch wäre hierbei die Beteiligung? Diese Wahl würde tatsächlich jeden einzelen direkt und unmittelbar betreffen – das würde mich interessieren!

    @andreas: ich finde auch, dass man zumindest einen leeren Wahlzettel abgeben sollte um die Enthaltungs-Stimme zu nutzen um nicht (indirekt) ungewollt den falschen Parteien zu helfen.

  9. anna

    Nöö, ich bin keine Nichtwählerin und obendrein auch noch Mitglied einer Partei.
    Aber ich kann nachvollziehen, warum Menschen nicht wählen, also sich bewusst gegen eine Wahl entscheiden.
    Das Argument mit den kleineren Parteien ist ja bekannt. Aber es ist für viele Bürger kein hinreichender Grund ihr Kreuz bei einer Partei zu machen, mit der sie nicht konform gehen. Irgendwie hätte das ja auch wieder einen merkwürdigen Touch von Stimmenfang. Ich habe im Vorfeld der Wahl öfter das Argument gehört, dass es kein „kleineres“ wählbares Übel gebe und man daher nicht wählen gehe. Auch durchaus als „Watsche“ für die etablierten Parteien gedacht. Schwieriges Thema. Meiner Meinung sollte die etablierten Parteien sich sehr ernsthaft mit diesem Phänomen beschäftigen.

  10. Alfons

    Aus diversen Gesprächen mit lieben Mitmenschen die nicht gewählt haben konnte ich sehr entnehmen dass keine wirklichen Gründe genannt werden und die in den Medien immer wieder aufgestellte Variante aus Protest nicht zu wählen oft eine Schutzbehauptung war. Wie bei allen Organisationen, Vereinen, Kirchen, Parteien etc. kann man nicht erwarten mit jedem einzelnen Punkt einverstanden zu sein, selbst in Zweierbeziehungen ist das nur selten zu realisieren. Eine Demokratie wie wir sie zum Glück haben und die natürlich verbesserungswürdig ist braucht kritische aber auch mündige Bürger. Erforderlich ist auch ein Mindestmaß an politischem Interesse um nicht blind wie 1933 eine kriminelle Partei durch Wahlen an die Macht zu wählen -auch durch Nichtwählen.

  11. Sascha

    Der Wahl-O-Mat ist ab heute online!

    Vielleicht kann dass einige müde Nichtwähler stärken, doch noch zur kommenden Wahl zu gehen. Es ist zumindest einen Versuch wert, hier werden die eigene Meinung mit dem Standpunkt der einzelnen Parteien verglichen. Bis zu 7 Parteien kann ich mit meinem Voting abgleichen.

    http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/index.php

    Jetzt muss es nur noch genutzt werden……..

  12. Andreas Knepper Artikelautor

    Dass eine (mathematische) Tatsache bekannt ist (weniger Wähler = kleine Parteien prozentual stärker), macht sie nicht falsch. Man pfeift höchstens irgendwann drauf. Und darin liegt eine große Gefahr!

    Siehe Landtagswahl Sachsen: Wahlbeteiligung 52%, NPD 5,6%. Was wäre wohl gewesen, wenn die Beteiligung bei 70% gelegen hätte? Think about it!

  13. anna

    Es heißt ja nicht, dass ich es gutheiße, ich kann es lediglich verstehen – das ist ein gewaltiger Unterschied.Die Tatsache, dass in Lippstadt ein Großteil der Bürger nicht gewählt hat, ist doch an sich erschreckend genug. Mit Schuldzuweisungen oder bösen Unterstellungen wird man die Menschen sicher nicht zur Wahl bewegen können.

  14. Frank Boneberger

    Bei 45.000 Wählern und einer Wahlbeteiligung von 50% sind 225 Stimmen bereits ein Prozentpunkt mehr oder weniger. Würde man eine Gruppe von 2.000 wahlberechtigten Lippstädtern für eine Partei gewinnen, hätte deren Wahlbeteiligung (mit der bei der Kommunalwahl angewandten Quotierung gerundete) 9% Gewicht – das ist mehr als die meisten Parteien bei der Wahl an Prozenten einheimsen konnten. 2.000 Wähler bekommt an problemlos über zwei Dörfer unserer Stadt zusammen. Und da die Dörfer einen nicht unerheblichen Anteil der Wählerschaft in Lippstadt stellen, stellt sich mir auch nicht mehr die Frage, warum die CDU immer noch stärkste Fraktion ist (auf dem Land ist die CDU tendenziell stärker als in den Städten). Die Nichtwähler sollten sich mal darüber klar werden, dass „Nichtwählen“ in Lippstadt in jedem Fall einen positiven Effekt für die CDU hat. Und bei dieser Statistik muss man nicht mal tricksen…

  15. Andreas Knepper Artikelautor

    @Frank Boneneberger: naja, es waren laut Statistik-Tool 55.000 Stimmen, aber da wollen wir nicht kleinlich sein ;o)

    Es gab übrigens etwa 200 ungültige Stimmen. Formiert sich da am Ende noch so eine „Protestpartei“?

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