Elternwille und Provinzlogik

Das Thema „Gesamtschule in Lippstadt“ beschäftigt mich ein wenig, immerhin werde ich bald selbst Vater. Deshalb verfolge ich die Diskussion, lese über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Schulformen usw.
Denn ich würde mich später selbst nicht mehr ansehen können, wenn ich nicht wenigstens gefragt hätte „Was tut Ihr, damit mein Kind in 20 Jahren einen Job bekommt? Wie, denkt Ihr, bereitet man es am besten darauf vor? (Diese Frage stellt auch der Film hier in sehr eindrucksvoller Weise – ganz ansehen lohnt sich!)“

Aber soll ich auch entscheiden dürfen? Bin ich Experte für Schulwesen, nur weil ich Vater bin?Ich wollte an dieser Stelle Vergleiche anstellen für Situationen in denen Experten bessere Entscheider sind, als die Betroffenen – beim Finanzhaushalt, bei Angehörigen von Mordopfern, beim Rauchen in Gaststätten – sowas halt. Ich habe mich gegen eine ausführliche Behandlung des Themas entschieden, würde meinen Standpunkt vielleicht nur verwässern.

Ich gebe der CDU (die den Elternwillen „an Nummer 1“ gesetzt hat) nur soviel zu bedenken:
Was Eltern wollen und was gut ist für deren Kinder, das könnten im Zweifelsfall zwei ganz unterschiedliche Dinge sein (Ich höre immer noch die Stimme eines entfernten Verwandten schallen „Ich brauchte nicht aufs Gymnasium gehen, um Filialleiter zu werden, also geht mein Sohn auch nicht aufs Gymnasium!“. Soviel zur Qualifikation des Elternwillens – und zum Thema Verlierer und Gewinner im gegliederten Schulsystem.)

Wenn eine Gesamtschule die Antwort auf die Probleme im Bildungssytem ist, dann sollte – nein MUSS sie eingerichtet werden!! Aber dann ganz unabhängig davon, ob die Eltern das gut oder schlecht finden! Dass die INI als Initiator der Gesamtschule auf Elternzuspruch angewiesen ist und darauf hinweist, ist legitim. Denn sonst bräuchten sie garnicht erst anzufangen. Von der Politik erwarte ich allerdings den Blick für’s Ganze.