Das Netz kommt in der Lokalpresse an

Das Rumgeschreibsel vereinzelter Spinner “in diesem Internet da” hat die Verlagswelt vor einigen Jahren noch ziemlich kalt gelassen. Später haben sie den Hobbytextern mit starken Tendenzen zur Anarchie einfach mangelnde Objektivität und wenig Recherchevermögen vorgeworfen. Irgendwann, als man merkte, dass das garnicht immer stimmen musste und man – sogar als Qualitätsmedium – auch selbst mal Fehler macht, begann die Umwälzung. Ganz leise wurde damit begonnen, Blog-Quellen ordnungsgemäß zu verlinken, es folgten wohlwollende Artikel über die Blogosphäre. Schlussendlich installierten die großen Verlage selbst Blogs, wie z. B. die Welt, Handelsblatt, DerWesten und andere.

Sogar in unseren Gefilden ist das Netz auf dem Vormarsch. So habe ich unlängst darauf hingewiesen, dass die Glocke einen Twitter-Account hat, über den sie ihre Top-Artikel verschleudert verlinkt. Wahnsinn!! Und jetzt das:

Die Neue Westfälische hat ab sofort ein Weblog!

Auch wenn mir das Selbstlob des Autors auf seinem Privatblog etwas seltsam vorkommt *räusper* – ich bin wie immer eher geneigt “Endlich” zu sagen als “Viel zu spät”. Ein solcher Schritt bedeutet immerhin, dass man Redakteurs- und IT-Zeit bindet- also Geld. Eventuell – je nach Organisation – gibt man sogar ein Stück Kontrolle über die Inhalte ab. Das alles ist abzuwägen und nicht “mal eben” beschlossen. Trotzdem wird es eng für solche (auch lokalen) Verlage, die heute den Einsatz von Blogs und Social-Media-Tools nicht mindestens auf ihre Zweckmäßigkeit hin überprüfen.

Ich wünsche Rouven Ridder von der NW viel Erfolg und jede Menge Spaß bei seinem Projekt! Und warte ab sofort mit noch mehr Spannung auf den angekündigten Relaunch von derpatriot.de.

6 Gedanken zu „Das Netz kommt in der Lokalpresse an

  1. C. Sturm

    Das sehe ich soweit ähnlich… frage mich ebenfalls was da bei unserem alt eingesessenen Blatt “Der Patriot” denn so läuft. Verfolge gespannt und mit Interesse seit einiger Zeit den Tweets von der Glocke (DieGlocke) und frage mich warum wir mal wieder hinten dran sind!?!
    Ist da im Hause überhaupt schon mal darüber nachgedacht worden?

    …nicht ausruhen… Gas geben…

  2. Alfons

    Auch der Auftritt der “Glocke” im Internet war lange Zeit sehr altbacken, nur Fotokopien der gedruckten Artikel. Inzwischen hat sich das gravierend geändert. Klaus Staeck (Heidelberg) erwähnte die “Glocke” als eine der Provinzzeitungen die er lese. M.E. hat er keinen Bezug zum Verbreitungsgebiet dieses Blattes.

  3. Rouven

    Oh, Pardon! Voller Stolz über die Sache können die Worte tatsächlich bei jemand anderem nach Selbstlob klingen. Das lag nicht in meiner Absicht.

    Hinsichtlich der Zweckmäßigkeit für den Verlag werde ich mir Mühe geben. Obwohl sich das etwas trocken liest. Ich finde, der Spaß sollte für alle im Vordergrund stehen.

    Bis die Tage,
    Rouven

  4. Andreas Knepper Artikelautor

    Passender Twitter-Kommentar von @olivere zum Artikel:

    “First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win…”

    Das Zitat kommt von Gandhi und passt doch irgendwie auf die Sicht der Verlage auf Blogs, oder? Ich dachte deshalb, ich erwähne es mal ;o)

  5. Andreas Knepper Artikelautor

    @Rouven: jepp, so hatte ich das auch eingeschätzt. Darfst ja auch stolz sein. Wie gesagt: Hau rein und viel Spaß beim weiteren steilgehen ;o)

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