Kunununuhhh…

Kununu, das ist kein neuer Kinderladen und auch kein indisches Herbstfest. Kununu, das ist eine Plattform, auf der man seinen perfekten Arbeitgeber finden kann, weil die dortigen Arbeitnehmer ihn ganz unabhängig bewerten. Soviel zur Theorie. Jetzt zur Praxis: Deutschland ist im Bewertungswahn. Alles lässt sich bewerten und kommentieren -  vom pefekten Abendessen über verschiedene Talent(frei)shows im TV bis zum Internet, wo man zu Lehrern, Nachbarn, Ebay-Verkäufer, ja eigentlich allem Stellung nehmen kann. Und jetzt sind eben auch die Arbeitgeber dran. Du bist Deutschland Jury!

Wenn man genau hinschaut, findet man auf solchen Internet-Portalen vermehrt zwei Gruppen von “Bewertern”: Die einen haben eine schlechte Erfahrung gemacht und tröten das in die Weltgeschichte raus (spart den Psychiater), die anderen scheinen sowas wie bezahlte PR zu machen und loben das zu bewertende Wasauchimmer in den Himmel. Das liegt sicherlich daran, dass man erstmal überhaupt eine gewisse Motivation benötigt, um sich solche Arbeit  zu machen.

Wer bei kununu nach Firmen in Lippstadt sucht, findet derzeit vier Stück: Hella, Ferber Software, die Initec und das Pflege- und Seniorenheim Gisela.  Ich will nicht ausschließen, dass hier hin und wieder jemand aus freien Stücken seinen Arbeitgeber gerne lobt oder gerechtfertigt verurteilt. Aber wenn die Betreiber von kununu in ihren FAQ schreiben, dass die Plattform Für ArbeitNEHMER gedacht ist, dann übersehen sie wohl auch, dass auch in der Marketing- und der Personalabteilung Arbeitnehmer sitzen.Und dass man insbesondere gerne dann über seine Firma öffentlich redet, wenn man sauer auf sie ist.

Anderseits: Welche Chance haben diese Unternehmen angesichts der Möglichkeit, sich anonym auszulassen? Jedes Unternehmen hat mal Stress mit Mitarbeitern. Ein Unternehmen wie die Hella mit mehreren hundert Beschäftigten würde es hart treffen, wenn jeder “(Ex)-Mitarbeiter, der sich schlecht behandelt fühlt, hier seinen Frust ließe. Das blöde an solchen Portalen ist nämlich: Ich kann nicht nachvollziehen, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht.

Eine offene Kommunikation, die alle Kriterien berücksichtigt und alle beteiligten mit offenem Visier zu Wort kommen lässt, wäre meiner Meinung nach die bessere (sprich Imagefördernde) Variante. Zum Beispiel ein Corporate Blog. Eine anonyme Plattform dagegen kann immer missbraucht werden. Das ist bei Foren und Chats so, und es wird bei kununu bestimmt nicht anders ein. Differenzierte Aussagen zur Arbeitsplatzsituation bei meinem Beispiel Hella sind zumindest eher Mangelware. Entweder wird die Firma hochgelobt oder schlechtgeredet.

PR-Gelaber und  nachtretende Ex-Mitarbeiter sollen mir also helfen, zukünftige Arbeitgeber besser zu bewerten? Das qui bono hilft hier meiner Meinung nach recht schnell, den Nutzen solcher Plattformen zu … “bewerten”.

4 Gedanken zu „Kunununuhhh…

  1. sandmann

    Grundsätzlich geb ich dem Verfasser Recht. Das Problem all dieser Plattformen ist auch dass viele, und nicht nur Vorgesetzte, dazu neigen eher zu tadeln als zu loben. Andererseits kann es für einen noch im Unternehmen tätigen AN der sich negativ zu seinem Arbeitgeber äußert Schwierigkeiten geben. Nur was nutzt es schlechte Erfahrungen mit seinem Arbeitgeber in die Welt hinaus-zuposaunen, Bewerber warnen? Ich halte solch ein System für äußerst fragwürdig. Um Lob oder Kritik beurteilen zu können muss ich zunächst den Lobenden oder Kritisierenden einschätzen können. Auch AN sind nicht nur Engel. Für Kritik der AN sollte der Betriebs- oder Personalrat ein sehr offenes Ohr haben.
    Für ein recht gutes System von Beurteilungen halte ich die Hotelbewertungen bei http://www.hrs.de. Hier kann man nur dann eine Bewertung zu diversen abgefragten Punkten abgebebn wenn man in dem betreffenden Hotel übernachtet hat. Auffallend ist dabei dass die Mitarbeiter der Hotels (Empfang etc.) fast immer gut beurteilt werden.

  2. bettina

    Wäre ich arbeitslos und wollte ich mich auf der Plattform informieren wollen, wie die Firmen bewertet werden, so bliebe ich lieber arbeitslos. Ich habe mal nur so aus Jux ein paar neu eingestellte Firmen angeklickt. Die Bewertungen machen eher Lust auf Arbeitslosigkeit als darauf, jeden Morgen dorthin zu gehen. Von der anderen Seite betrachtet sind die positiven Bewertungen zu unglaubwürdig. Aber zum Schluss bin ich dann doch über einen Arbeitgeber gestolpert, für den ich meinen jetzigen Job sofoert aufgeben würde. Dort steht: “Arbeitgeber Bewertung: Städtisches Bestattungswesen Meißen:
    freundliche Kollegen, sozialer Chef, Chef ist clever” Clever der Chef, sich selbst als cleveren Chef zu titulieren.

  3. sandmann

    Auf der Quittung eines Weinrestaurants stand folgender Spruch:

    hier kocht der Koch
    hier kellnert der Kellner
    hier scheffelt der Chef

    Da braucht man keine besondere Plattform….

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