Archiv für den Monat: Oktober 2007

Always diese Ultras

Sie machen mir Sorgen, die Lippstädter, die sich als Fans des SV08 „Ultras“ nennen. Denn in ihrem „offenen FanForum“ sprechen sie sich unter anderem dafür aus, Spieler des SV Lippstadt 08 nackt an einen Baum zu binden, wenn diese statt brav zuhause zu sitzen und sich mental auf das nächste Spiel vorzubereiten, beispielsweise über die Herbstwoche schlendern. Weil, das Bierchen dort könnte ja die Schussgenauigkeit immens beeinflussen.

Ganz offen wird da die systematische Einschüchterung von Spielern diskutiert. Italienische Zustände (vom Bundesliga-Profi Marc Pfertzel in diesem Interview verständlicherweise angeprangert) werden gelobt. Denn dort werden den Spielern „Beine gemacht“, wenn sie nicht Alles geben. Aus Ultra-Sicht muss Italien sowas wie Mekka sein. Kein Wunder, da kommt die Bewegung auch her. Die Einstellung, die hier ‚rüberkommt, ist folgende: „Ich bin bei jedem Spiel dabei, ich kaufe Dauer- und Eintrittskarten, also bezahle ich Euch. Da habe ich als Euer ‚Chef‘ auch das Recht zu sagen, wo’s langgeht.“

Nett gebrüllt, Leute. Ich wüsste indes gern, wieviel Prozent der Gesamteinnahmen ein Fußballverein durch Eintrittskarten generiert. Nur, um mal ganz nüchtern zu zeigen, welcher Schwachsinn da am ein oder anderen Stammtisch verzapft wird.


Was sind Ultras eigentlich? Klingt gefährlich. Ich mach’s mir mal einfach und zitiere aus Wikipedia (wer eine objektivere Online-Quelle hat, bitte posten):

„Die Ultrà-Bewegung bezeichnet eine besondere Organisationsform für Anhänger des Fußballsports. […] Die Ultrà-Bewegung hat ihre Wurzeln im Italien der frühen 50er und 60er Jahre, als sich erstmals „fußballverrückte“ Jugendliche in Gruppen zusammenschlossen (wie z. B. die Fedelissimi Granata 1951), um ihre jeweiligen Lieblingsmannschaften gemeinsam organisiert zu unterstützen. […]

Schlägereien und Kämpfe sind auch ein Bestandteil der „Ultrà-Kultur“ …“

Ultras mögen es nicht, in die rechte oder linke Ecke gestellt zu werden (also, politisch gesehen). Das ist verständlich, trotzdem haben solche Gruppen immer wieder mit Unterwanderung zu kämpfen – Lippstadt macht da anscheinend keine Ausnahme. Die (fast) aktuelle Diskussion im Fanforum passt da irgendwie ins Bild. Leider. Mit verklärter „Spielt ordentlich oder wir haun Euch zu Brei“-Romantik kann ich zumindest mal so garnix anfangen.

EDIT: Hab‘ vergessen, den Wikipedia-Eintrag zu verlinken. Ist hiermit nachgeholt. Außerdem muss ich richtigstellen: Es gibt im entsprechenden Thread niemanden, der sich Ultra nennt. Es gibt nur Leute, die gutheißen, was italienische Ultras tun. Soviel Ehrlichkeit muss sein, zumal sie hier angemahnt wird.

Altes Stadtbild behutsam ausbauen

Ein Herr mit dem wohlklingenden Namen Hermann von der Ahe hat im Patriot zum Thema südliche Altstadt das Wort ergriffen. In seinem Leserbrief erinnert er an die Attribute, die Lippstadt für externe Besucher interessant machen. Immerhin besuche man Brügge auch nicht wegen seines Media Marktes, sondern wegen der schönen Altstadt dort:

Leserbrief Hermann von der Ahe im Patriot

Ein Plädoyer für mehr erhaltenswerte Traditionbauten und weniger langweilige Blockbauweise. Auf der anderen Seite haben eben solche Blöcke viele berühmte Skylines ja erst möglich gemacht … hach, echt schwer, da als Bürger zu entscheiden ;o)

Edit: Nur der Vollständigkeit halber – Brügge hat keinen Media Markt, zumindest ist die Stadt auf der belgischen Media Markt-Website nicht aufgeführt. Ich weiß, das ist nicht der Punkt, man könnte hier jeden anderen Filialisten aufführen. Es geht darum, dass Brügge weniger deshalb zum Touristenziel wird, weil sich dort große Elektro- oder Klamottenketten ansiedeln.

Das stimmt m.E. nur halb. Am Samstag bin ich z. B. in Köln – eigentlich wegen einer Filmpremiere. Aber: Ich fahre früher hin „um zu shoppen“, nehme also durchaus das vorhandene wirtschaftliche Angebot wahr. Dabei ist es nicht hinderlich, dass Dom und Großfilialisten nah beieinander stehen. In Lippstadt ist das vielleicht etwas anderes, da in einer Großstadt wie Köln eine friedliche Koexistenz verschiedener Angebote durch die Verteilung überhaup erst stattfinden kann. Bei uns kommt mir die geplante Verteilung von Wirtschaftsriesen und schnuckeliger Altstadt eher so vor:

mach Dich schwer

Ganz klar eine politische Entscheidung

In meiner ehemaligen Paderborner Arbeitsstätte gab es ein geflügeltes Wort unter den Vertrieblern: Wenn ein Konkurrent sein Produkt aufgrund besserer Verbindungen zum Kunden verkaufte, beispielsweise durch Freundschaften oder familäre Beziehungen, dann kamen unsere Vertriebler zu dem Schluss:

„Das war ganz klar eine politische Entscheidung.“

Mit anderen Worten: Ganz gleich, wie gut unser Produkt auch war, wie sehr wir den Preis auch drückten, es half nichts. Denn die Entscheidung des Kunden stand bereits fest und war nicht logisch begründet.

Was Hartmut über den aktuellen Planungsausschuss-Termin zum Thema südliche Atstadt zu berichten hat, erinnert mich ganz stark daran. Jetzt weiß ich, wie diese Floskel irgendwann zustande gekommen sein mag, herzlichen Dank!

Neues von der Initiative

Hier mal eine, wie ich persönlich finde, gute Idee von unserem geschätzen Hartmut von der Initiative Lippstadt: http://derpatriot.com/cont/show_lokal.php?ID=292733 Wenn ich sowas sehe frage ich mich wirklich warum unsere Politiker immer alles überstürzt abhandeln möchten, nur alleine an dem Geld kann es ja wohl nicht liegen, da muss noch mehr dahinter stecken…Die Ansätze in dem Entwurf lassen der Stadt noch genügend Platz für eine ihrer Schnapsideen übrig (unter anderem auch den heiß ersehnten MediaMarkt und Kaufland, die beide immer noch in den „Ideenraum“ passen würden, wenn man wollte. Und Parkplätze kann man dann ja immer noch wie geplant auf den Dächern mit Brückenverbindung realisieren. Also liebe Stadtväter, überdenkt noch mal eure Pläne ein paar Monate bevor ihr Euch entscheidet (Das klappt doch bei den Unterführungen in der Innenstadt auch schon seit 50 Jahren…).

Watt is en ECE?!

… da stelle mer uns janz dumm und frachen die Schreiberlinge vons Lippstadt-Lied! Da kommt der ECE nämlisch drinne vor. Hörste jannz deutlisch raus, und zwa hier:

Lippstadt-Lied, ECE (Quelle: Kontakte-Musikverlag)

Isch kannte wohl den Ihh Zeh Eh, datt issen Intercity-Express, abba EEEH Zeh Eh? Noch nie jehört.Und auf Anfrache sacht mir nun getz der Kontakte Musikverlach folchendes:

„Im Lippstadt Lied ist es tatsächlich der besungene ECE (EuroCity-Express) – denn der ICE, der hält ja seit einiger Zeit nahe Deiner Arbeitstür.“

Datt klingt doch ma nach ’ne loggische Erklärung! Dann frach ich mich getz nur noch, warum im Notenblatt zum Liedschen trotzdem der ICE steht. Und watt sagen die Herren Liedschenschreiber, wenn Lippstadt essma inne Bundesli … ach, äh… schon gut!

😉

Und bald is‘ auch schon wieder Zeit für leckere Feuerzangenbowle!

Hoppla, wir bekommen ja Geld!

Mit diesem Satz wollen uns die amtierenden Stadtregenten anscheinend an der Nase herumführen. Und zwar so: Wenn die Stadt für den geplanten Megabau in der südlichen Altstadt Fördermittel vom Land beantragen will (die im hohen siebenstelligen Bereich liegen), dann muss sie bis Ende Oktober einen Grundsatzbeschluss vorlegen.

[ Zukunftsbild „südliche Altstadt“ ]

Von diesem Geld – und der entsprechenden Frist – hat man sicher seit Beginn des Projektes gewusst. Doch als müsste man sich als Schutz gegen die Bürger und gegen einen ganz normalen demokratischen Prozess ein Ass in den Ärmel stecken, wurde dieser Umstand in der Diskussion bislang verschwiegen. Und genau so kommt mir das auch vor: Wie der Versuch, beim Pokern zu mogeln.

Die Städtebauer mögen sich denken „Unser Vorgehen ist zwar ziemlich durchsichtig, aber was soll’s: wir brauchen die Kohle ja unbedingt.“

Stimmt wahrscheinlich. Aber wisst Ihr, was wir nicht unbedingt brauchen? Die aktuelle Sitzeverteilung im Stadtrat. Die können wir immerhin noch ein wenig beeinflussen. Also, wir sehen uns bei der nächsten Wahl.

Via annalog und Patriot.