… oder: Nehmet Eure Kinder in Acht!
Gestern Abend wurden bei der Infoveranstaltung der Initiative “Lebendiges Lippstadt” im Ostendorf-Gymnasium nochmal einige Argumente gegen das geplante Einkaufszentrum zusammmengefasst. Außerdem hatte man sich Hans Joachim Nölle M.A., Experte für Public Private Partnership Projekte, geladen, der über mögliche Finanzierungsmodelle eines Kulturzentrums referierte.
Nölle hatte in seinem Vortrag vor allem die die Möglichkeit einer Bürgerstiftung hervorgehoben, die nicht nur einen Teil der Entscheidungsprozesse an “uns alle” zurückgibt (und steuerliche Vorteile für die Mitglieder haben soll), sondern obendrein ein Finanzierungsmodell mit Solidaritätscharakter ist.
Besonders stark und absolut wichtig für die Initiative war die Entkräfung der Aussage, die ein BEG-Mitarbeiter (bei dieser Veranstaltung) getätigt hatte. Dass die BEG nur an die Stadt verkaufe, wenn auf dem späteren Grundstück auch genau dieses geplante Einkaufszentrum stünde, konnte Referent Frank Boneberger relativ einfach widerlegen: Die BEG als Teil der zum Börsengang drängenden Bahn AG sei stark daran interessiert, das Grundstück als Altlast zu verkaufen – egal, was später damit gemacht würde. Und würde es sich kaum leisten, den Deal platzen zu lassen, nur weil später etwa ein Kulturzentrum entstünde. Warum auch, es gehört ihr dann ja auch nicht mehr. Das leuchtet mir ein. Auch wenn das Argument keine Allgemeingültigkeit hat, hier ist es angebracht.
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Auch wenn ich jetzt definitiv weiß, warum ich am 09. November mit “Ja” gegen die Planung stimme, so bleibt doch ein Wehrmutstropfen. Denn anders als bei den Argumenten gegen die Planung verfielen die Referenten allesamt bei der Präsentation ihrer Alternative in den Konjunktiv: “Hier könnte eine Hochschule stehen.” “Man könnte das Ganze [so und so] finanzieren.” Wer sich also gegen die Planung der Stadt stellt, muss wissen, dass eine blühende Zukunft im Süden ungewiss ist und hart erarbeitet werden muss – unter der Prämisse, dass die Stadt das Grundstück bei einer Vereitelung ihrer Pläne überhaupt kauft.
Überhaupt nicht einverstanden bin ich mit der Argumentation, die Kulturwirtschaft in Deutschland würde derzeit einen absoluten Boom erleben. Das kann ich weder aus meinem beruflichen und privaten Umfeld bestätigen, noch waren die dazu präsentierten Zahlen stichhaltig. Quellenangaben fehlten in der Präsentation komplett und mit beispielsweise der IT- und Werbe-Sparte (man fühlt sich dann ja doch ein wenig bestätigt, vielen Dank dafür) wurden zwei Wirtschaftszweige einbezogen, die bei einem zukünftigen Kulturzentrum in der Südlichen Altstadt eher einer untergeordnete Rolle spielen dürften.
Mir bleibt zu sagen schreiben, dass ich lieber den holprigen Weg gehe, als ein wunderschönes Stück Lippstädter Geschichte, mit dem ich viele schöne Erinnerungen verknüpfe, einem Einkaufszentrum preiszugeben. Und einem Verkehrschaos. Und einer Niedriglohn-Struktur. Und völlig überzogenen Erwartungen, die längst seriös widerlegt sind.
Und quasi als Mahnung an alle Besucher prankte hinter den Referenten ein Plakat mit dem einbrennenden Satz “Nehmet Eure Kinder in Acht“. Na ja, da ging es zwar um einen Geistlichen, der sechzehnhundertirgendwas die Darwin-Lehre doof fand. Aber gepasst hat es trotzdem. Denn laut Experte Nölle “steht so ein Kaufhaus mindestens 70, 80 Jahre, bevor man darüber nachdenkt es abzureißen”. Und soll das wirklich unser Vermächtnis an künftige Generationen sein?
PS: Die Blog-Artikel sind grade vermehrt politiklastig. Das ändert sich aber wieder, versprochen ;o)

