Lippstadt-Blog: Das Weblog von Lippstadtern für Lippstadter

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Do
16
Okt '08

Aus Alt mach Neu?

Mit Propheten unterhält man sich am besten drei Jahre später.
Sir Peter Ustinov (1921-2004)

Gestern hatte die Stadt zum Infoabend geladen. Thema: Die Umgestaltung der südlichen Altstadt zu einem nagelneuen Einkaufszentrum. Es gab die üblichen Podiumsreden, gefolgt von einer Diskussion. Einige einleuchtende Argumente kamen vom Podium, ein Gutteil der Aussagen über die Entwicklung des Einkaufszentrums waren aber eher Hoffnungen – auch wenn sie wie Tatsachen vorgetragen wurden.

Infoabend Südliche Altstadt 1   Infoabend Südliche Altstadt 2   Infoabend Südliche Altstadt 3

Die wohl stärkste und am längsten nachhallende Wortmeldung kam indes von einem Vertreter der BEG, die (aus dem Kopf zitiert) lautete:

“Wir stecken all unsere Energie in dieses Projekt (Das Einkaufszentrum). Wenn es scheitert, sehen wir uns aber auch keine Alternative an. Glauben Sie also nicht, dass wir jeden x-beliebige Vorschlag prüfen. Wenn es dieses Projekt nicht wird, dann wird’s keins.”

Mit anderen Worten: Liebe Bürger, fresst oder sterbt. Der Frust über diesen Satz war Tenor der am Veranstaltungsende ausströmenden Besucher. “Das also ist Demokratie”, zeigte sich z. B. eine Dame sichtlich entrüstet. Ich persönlich bin noch immer unschlüssig. Bis hierher steht für mich fest:

  • Stimme ich für das Projekt (also bei der Abstimmung mit “Nein”), dann aus dem Grund, dass ich auf einen vermehrten Besucherstrom hoffe, der nicht gleich nach dem Einkauf wieder von Dannen zieht, sondern auch dem übrigen Handel und der Gastronomie ein Umsatzplus beschert. Müssen die großen Firmen aus dem Einkaufszentrum ihren Umsatz eigentlich zwingend in Lippstadt versteuern? Wenn ja, lockt zusätzlich ein Plus im Steuerbeutel, wo bislang keins zu verzeichnen ist. Ein weiterer guter Grund ist: Das Ding ist in trockenen Tüchern, sprich die Investoren sind da und die Planung ist weit fortgeschritten.
  • Stimme ich gegen das Projekt (also bei der Abtimmung mit “Ja”), dann nicht allein, weil es gegen solche Shopping Malls im Allgemeinen berechtige Bedenken gibt. Sondern vor allem deshalb, weil die Stadt zum wiederholten Male den demokratischen Entscheidungsprozess zu dem Thema vorsätzlich torpediert hat. Erst wollte die Stadt die zaghaften Versuche einer Bürgerbewegung im Keim ersticken (Gemeint ist die Initiative, ohne die wir wohl jetzt nicht mit entscheiden dürften). Dann wurde ein politisches Ass aus dem Ärmel gezogen. Und seit gestern wissen wir: Wird’s nicht dieses Projekt, wird’s halt keins. Pistole auf die Brust! Sowas stößt bei mir echt sauer auf.

Hach naja, ein paar Tage sind’s ja noch bis zur Abstimmung. Und das Hauptziel sollte ohnehin sein, überhaupt wählen zu gehen. Denn ohne eine ausreichende Wahlbeteiligung ist die Entscheidung der Wahl hinlänglich. Also: Hingehen zum Ratsbürgerentscheid am 09. November!!!