Lippstadt-Blog: Das Weblog von Lippstadtern für Lippstadter

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Do
30
Dez '10

Zielgerade

Und wieder eine Woche voller Ärgernisse überstanden! Kurz vor Ladenschluss vom Regen ohne Umweg über die Traufe in die Sch…

Sind Lippstädter dumm?
Bei einer spontanen Befragung von neun Passanten in der Innenstadt im Rahmen einer Wette wussten vier nicht, warum wir Weihnachten feiern. Zugegeben nicht repräsentativ, vermute ich jedoch, das Ergebnis wäre auch bei größerer Probenmenge nicht signifikant anders. Die Wette habe ich jedenfalls gewonnen…

Patriot vs. DER SPIEGEL
Heute geht es im Lokalteil um Parkflächen. Das sind in der Regel Grünanlagen, der Patriot meint aber “Parkplätze”. Klingt nicht besser, ist aber dafür falsch. Die schönsten Sprachschludereien des Patriots finden sich übrigens regelmäßig im “Hohlspiegel”, den man wohl vollständig mit Inhalten aus unserem Lokalblatt (be-)füllen könnte…

Ruhender Verkehr I
Am vorigen Montag machte sich eine Politesse die Mühe, mein schneebedecktes Auto zur Hälfte auszubuddeln, um mir dann ein Knöllchen zu verpassen (Okay, für 5 Euro kann ich wohl nicht erwarten, dass sie die Arbeit gewissenhaft zu Ende führt und das ganze Auto vom Schnee befreit). Der Grund für mein “Falschparken” war, dass sich in der benachbarten Anwohnerparkzone Weihnachtsbesucher von Auswärts ohne Parkausweis breitgemacht hatten, die offensichtlich wussten, dass während der Feiertage nicht kontrolliert wird und sich die Polizei sowieso nicht “für den ruhenden Verkehr” zuständig fühlt.
Ich habe mein Fahrzeug also vorschriftsmäßig umgeparkt, um am nächsten Tag festzustellen, dass der Bauhof beim Schneeräumen der Kolpingstraße mein Auto begraben hat. Der Wagen steckt nun seit zwei Tagen im Schnee, zuständig ist wieder niemand. Ich könnte den Wagen ja selbst freischaufeln, aber ich hab einfach keine Lust, sage meine Termine ab und bleibe zu Hause. Auf der linken (Einbahn-)Straßenseite hätte der Schnee übrigens niemanden behindert, aber dafür hätte man ja das Räumschild umdrehen müssen; zuviel verlangt in Lippstadt…

Ruhender Verkehr II
Der SUV einer bekannten Industriellen aus Lippstadt, die diesen strategisch günstig in der Nähe ihres Kosmetikstudios platziert hatte und dann zur Totalrenovierung eilte, legt die Innenstadt lahm, indem er, direkt an einer Kreuzung geparkt, den Schnellbus daran hindert, eben diese zu passieren und der Verkehr sich darauf hin in der gesamten Innenstadt staute. Gut gemacht!
Den Vogel haben dann zwei hiesige Polizisten abgeschossen: Nach rund einer Dreiviertelstunde trafen diese traurigen Vertreter der Ordnungsmacht ein nur um festzustellen, für den ruhenden Verkehr seien sie nicht zuständig. Der stockende Verkehr floss mittlerweile verbotenerweise über den Gehweg ab, direkt an den untätigen Beamten vorbei. Auf die Frage, ob man den Wagen nicht abschleppen sollte, beteuerte das Dream- Team, man wisse nicht, wie. Das anwesende Publikum tat seinen Unmut kund, daraufhin wurden die Beamten endlich aktiv und drohten dem Plebs für den Fall weiterer Renitenz mit sanktionierenden Maßnahmen. Eine Politesse demonstrierte währenddessen einen Rest von Handlungsfähigkeit und verpasste dem Falschparker ein Knöllchen. …

Brachland
Bei der Stadt sorgt man sich, dass weitere Gebäude in der Innenstadt abgerissen werden könnten. Mal abgesehen, dass die Stadt selbst die größten Abrisspläne am Güterbahnhof hegt ohne zu wissen, was darauf irgendwann einmal entstehen könnte, wären die vorhandenen Baulücken durchaus zu füllen. Die Meßlatte für Investoren liegt aber recht hoch, zu hoch für Menschen mit fremd klingenden Namen. Einige haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, man könne sich Investoren nicht aussuchen, sondern müsse sich freuen, wenn überhaupt jemand in Lippstadt investieren will. Für mich ist dieses Schmierentheater “Ärgernis des Jahres 2010″. Jeder Lippstädter sollte sich daran erinnern, wenn er die regelmäßigen Frechheiten, die über das linientreue Parteiblatt hinausposaunt werden, liest.

Frohes stumpfes Jahr!

Sa
18
Dez '10

Endspurt…

Nix los mehr im Blog = Nix los in Lippstadt?
Auch wenn ich in den letzten Wochen (ausnahmsweise) mein Lästermaul mal geschlossen hielt, ist die Zahl der Ärgernisse (die ich an dieser Stelle ja gerne mal breittrete) immer noch ansehnlich und die Prognose für 2011 nimmt sich aus wie das Kulturprogramm in unserer schönen Mittelstadt – es wirkt wie eine Kopie des nun bald vergehenden Jahres. An dieser Stelle wünsche ich der handvoll Lesern dieses Blogs schon mal stumpfe Weihnachten und einen Absturz ins neue Jahr. Nun aber zu den Schlagzeilen.

Stadtentwicklung: Güterbahnhof europaweit ausgeschrieben
Bla, Bla, Bla, Bla, Bla, Bla, Bla, Bla, Bla, alles wie gehabt, Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber, Trööt, Trööt.

(Ein)Bildung: Gackernde Professoren
Lippstadt ist Universitätsstadt! Man kann es nicht oft genug betonen, und schon gar nicht öfter als der Patriot! Wir haben eine Universität! Unglaublich, einzigartig! Das gibt es nirgends… mal abgesehen von den 409 anderen Standorten in Deutschland.

Mal ehrlich, bisher hat die “Hella Uni” die Stadt hauptsächlich nichtvorhandenes Geld gekostet und für politische Kungeleien herhalten müssen; gebracht hat sie noch nichts und ob sich das ändert, wage ich hier mal zu bezweifeln.
Es fängt ja schon damit an, wenn man den Standort sucht. Ein grundsätzlicher Fehler wäre, sich von den neuen Hinweisen auf den Wegweisern leiten zu lassen. Mal abgesehen, dass der dort angegebene Zielort noch gar nicht existiert (Willkommen in Schilda!), überdies ist die Bezeichnung “Universität” ein typisch- arroganter Schachzug der lokalen Etikettenschwindler. Richtig hieße es “Fachhochschule”. Aber übertreiben und hochstapeln gehört offensichtlich zu Lippstadt, wie das gackern über ungelegte Eier…

… die hoffentlich auch irgendwann gelegt werden. Ansonsten wir des für den Chefstrategen der neuen Fachhochschule wohl eine peinliche Sache. Da gackert eben jener Elfenbeinturmbewohner nämlich allen Ernstes von einem anstehenden “Ansturm” auf seine Institution, den er mit Abiturdoppeljahrgang und anderen dünnen Argumenten unterfüttert. Man denke sogar ernsthaft über einen NC nach! Wahnsinn! Ja, Wahnsinn ist in diesem Fall das Wort der Wahl. Wer die Zahl der bisherigen Studenten erfahren möchte, muss nicht einmal bis 1.000 zählen können, das Gebäude ist nicht gebaut, die Qualität des Lehrbetriebs noch nicht einzuschätzen und das Studienangebot schon vielfach an anderen Standorten vorhanden, aber in Lippstadt “befürchtet” man ernsthaft, überrannt zu werden… Geht’s ein bisschen kleiner?

Verkehrswesen: Großes Kino mit Tatü Tata
Offensichtlich noch mehr Anlass für Gegacker bietet der “Meilenstein” hinter dem Schuhkarton. Mit 365 Metern zwar keine echte Meile (Es ist Lippstadt, Übertreibung gehört zum Konzept!), dafür mit einer jahrzehntelangen Planung an Peinlichkeit kaum zu überbieten, wird der Teilabschnitt der Südtangente zwischen Südertor und Stirper Straße heute eingeweiht. Die Stadt baut sogar extra ein Zelt mit archäologischen Zeugnissen der ersten Planungsversuche aus dem letzten Jahrtausend am Ort des Geschehens auf. Da kann man sich dann noch mal zu Gemüte führen, wie lange es in Lippstadt dauert, eine paar Meter Straße “auf den Weg zu bringen”. Das beste kommt dann um 11:00 Uhr: Grisu will im Feuerwehrauto als Erster über den neuen Highway brausen. Geschätzte 30 Sekunden wird die Lachnummer dauern. Vielleicht setzt er sich auf die Drehleiter, bei den ortsüblichen Durchfahrtshöhen (siehe Rixbeck) besteht dann aber das Risiko, dass er an der WLE- Brücke hängenbleibt und durch einen Abdruck seiner Schnute dieser den letzten architektonischen Schliff verpasst.

Wirtschaft: Dominanz aus der rezessiven Postion
Von Trogbauwerken  zu Dominanz. Auch da kann Lippstadt mit vollständig neuen Perspektiven aufwarten; zumindest in Bezug auf die Mathematik. Im Lokalblatt wird nämlich (wieder mal) die IHK- Studie zum Einzelhandel in der Innenstadt ausgeschlachtet; dieses mal der Filialisierungsgrad (für Patriot- Leser: Das ist der Anteil von Kaufläden, die es auch in anderen Städten gibt). Natürlich wird nicht explizit erwähnt, dass Lippstadt über den höchsten Grad an Filialunternehmen verfügt (Für Patriot- Leser: Ist nicht besonders gut), dafür wird aber behauptet, dass in Lippstadt die kleinteiligen Familienunternehmen dominieren. Bei einem Ergebnis von 52% (für die Filialen) wage ich das zu bezweifeln. Mathematisch gesehen, dominieren wohl eher die Filialbetriebe…

Und so zieht sich derartiger Blödsinn fröhlich durch nahezu jede Ausgabe. Und da sag noch einer, Zeitungslesen bildet… ich mache mir eher Sorgen um die Leser. Auf Dauer färbt so etwas bestimmt auf den eigenen Intellekt ab. Also auf die Intellenz. Die Gluckheit. Man wird doff.

Aberglaube: Das Lästermaul aus dem Rheinland
Gemeint ist Jürgen Becker, der im Februar in Geseke gastiert. Nach Lippstadt traut er sich wohl nicht mehr, nachdem er nach seinem letzten Engagement am Stadttheater einen Leserbrief in der Zeitung lesen musste, in dem sich ein strenggläubiger Katholik ob der gotteslästerlichen Auswürfe des Kölner Kabarettisten echauffierte. Das kommt davon, wenn man ein Abo kauft und dann zu jeder Veranstaltung rennt, weil man schließlich dafür bezahlt hat. Wäre der Leserbriefschreiber besser daheim geblieben, dann hätte er sich ersatzweise über die dänischen Mohammed- Karikaturen ärgern können und Lippstadt wäre ein peinlicher Leserbrief erspart geblieben. Nun hat Becker Angst vor der Hellweg- Inquisition und kommt nicht mehr.
Aber vielleicht können wir das entstandene Loch mit anderen Kabarettschwergewichten stopfen. Ich denke da an Hagen Rether; obwohl dessen kirchenkritische Äußerungen für radiale “Katholisten” wohl sehr an deren Vorstellung von Sodom und Gomorra heranreichen. Dabei bietet Rether gerade diesen Hardlinern einen interessanten Denkansatz, den ich als Trost für Herrn Becker und sein wirklich gutes, unterhaltsames Programm hier als Schlusswort anfügen will: “Gott interessiert das alles nicht. Gott hat Humor. Der hat schließlich Meerschweinchen gemacht!”