Heute Morgen, 7 Uhr. Telefon klingelt. Nanu, so früh? Die Polizei, es geht um ein Knöllchen, dass vor einer Woche an meinem Wagen steckte. Nachdem ich mich sowieso gewundert hatte, dass die Polizei in Lippstadt seit neuestem wieder für den ruhenden Verkehr zuständig sein soll (was sie dem Anrufer nach auch gar nicht ist, beziehungsweise sich nicht zuständig fühlt), bricht meine Vorstellung von einem Rechtsstaat bei der Begründung der Maßnahme vollständig zusammen:
Am letzten Mittwochabend, während ich joggen war, rückt die Polizei zu einem Verkehrsunfall aus. In der Kolpingstraße stellten sie dann jedoch fest, dass es keinen solchen gab, sondern ein Fahrzeug beim Einparken rückwärts dicht auf meinen aufgefahren war und die Fahrerin dieses Autos nun nicht mehr aus ihrem Parkplatz herauskommt, und das Ganze als Verkehrsunfall gemeldet hat.
Weil nun die Beamten vor Ort wohl nichts Vernünftiges aus der Sache machen konnten, haben sie “notgedrungen” nach einem passenden Opfer gesucht und mir ein Ticket zu 10,- € verpasst – für das Parken auf einem Grenzzeichen im absoluten Halteverbot. Genau genommen stand der Wagen rund 20cm auf besagter Markierung und das auch nur, weil der Bereich davor von “Nicht- Anwohnern” okkupiert war und diese noch dazu mehr als verschwenderisch mit dem verfügbaren Parkraum umgegangen waren. So etwas wird zwar unter der Woche vom Ordnungsamt kontrolliert, außerhalb der Öffnungszeiten ist dieser Bereich dann aber offensichtlich nun eine rechtsfreie Zone, wo man machen kann, was man will. Beispielsweise Leute beschuldigen, aufgefahren zu sein (Der Wagen stand seit Sonntag so) bloß weil man selbst zu blöd zum Ein-/Ausparken ist oder, wenn man eine grüne Tracht besitzt, weil man so seine Erfolgsquote aufbessern kann. Kein Unfall, keine Anhörung und auch erst nach drei Tagen eine vollkommen andere Begründung für ein vollkommen überzogenes Knöllchen welches “aus der Not heraus” geschrieben wurde.
“Wenn die Polizei vor Ort ist muss sie auch Maßnahmen ergreifen”, sagte der Beamte. Aha, und wenn man nichts ergreifen kann, legt man die Latte einfach tiefer?
In Lippstadt wird permanent eingebrochen, randaliert und überfallen. Die Kolpingstraße wird mit Fahrzeugen zugeparkt, die keinen Bewohnerparkausweis haben. In der Fußgängerzone sind tendenziell mehr Autos als Fußgänger unterwegs. Es gibt offensichtlich jede Menge zu tun… Nur unsere Polizei spart sich die Untersuchung eines Verkehrsunfalls, würfelt einen glücklichen Gewinner aus und verpasst ihm ein Knöllchen für irgendwas, anstatt erst einmal zu fragen. Der Beschuldigte wird aus praktischen Erwägungen nicht angehört sondern dazu verführt, einfach zu zahlen und gut ist.
Was muss man eigentlich können, wenn man in Lippstadt Streife fahren will. Dreimal durch die Eignungsprüfung fallen? Und ist das hier noch Territorium der BRD oder sind wir schon Teil einer Bananenrepublik?



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