Mein Stammoptiker hat das Pflegemittel für die Kontaktlinsen, das ich seit 20 Jahren verwende, aus dem Programm genommen. Ich möge doch bitte zukünftig entweder eine andere Marke wählen oder die gewohnten Tabletten in ausreichender Menge bestellen und dann abholen. Mit den Monatslinsen selbst ist es schon länger so. Vielleicht bin ich ja tatsächlich der einzige Kunde, der dieses Mittel kauft, aber der Umsatz, den ich bei ihm lasse (mehrere hundert Euro allein für Brillengläser, da ich nun mal stark kurzsichtig bin) scheint die Lagerhaltung von Zubehör im Wert von ein paar Euro nicht zu rechtfertigen. Okay, kaufe ich auch diese Produkte zukünftig im Internet, genau wie so viele andere Dinge, die mir der örtliche Handel nicht mehr bietet. Und was man vor dem Kauf gerne sehen und ausprobieren möchte, gibt es in anderen Städten in größerer Auswahl zu vergleichbaren Preisen und mit besserem Service: Hamm, Bielefeld, Münster; man muss nicht einmal bis Dortmund, Essen, Düsseldorf oder Köln reisen, um sich als Kunde goutiert, beraten und aufgehoben zu fühlen. Nur in meiner Heimatstadt will das nicht mehr so recht gelingen. Sprüche wie “Das die Socken falsch ausgezeichnet sind, ist nicht meine Schuld” (interessiert mich nicht), “Wenn Sie bei uns nicht zufrieden sind, können Sie es gerne woanders probieren” (Danke, weiß ich schon) und ähnliche vertriebliche Glanzpunkte habe ich bisher noch nie in anderen Städten erleben müssen. Auch dass man sich dumm und dusselig wartet, bis sich mal jemand bequemt, sich des lästigen Kunden anzunehmen oder die Grundlagen jeglicher Erziehung (“Guten Tag”, “Bitte/Danke”, “Auf Wiedersehen”) bereits die Ausnahme anstatt der Regel darstellen, kann ich nicht so recht verstehen.
Ich weiß, es wird jetzt Kommentare hageln, in denen es lautet: “Stimmt nicht, ist doch super hier”, aber meine Einkaufserlebnisse in anderen Städten sind doch zu oft schöner in Erinnerung geblieben. Zudem weiß ich wo von ich rede: Bei Trainings und Verkaufsschulungen habe ich schon oft nachgewiesen, wie man Umsätze steigert und Kunden bindet. Das ich diese Seminare bewusst nicht in Lippstadt anbiete, hat übrigens einen einfachen Grund: Meiner Meinung nach ist der Lippstädter Einzelhandel erkenntnisresistent und so von sich überzeugt, dass der eine nach einer Brücke ruft, weil kein Kunde Umwege in Kauf nimmt, um auf der Langen Straße einzukaufen und andererseits die Verwaltung diese Blödsinnsaktionen sogar ernsthaft durchkalkuliert (da weiß man offensichtlich, warum).
Und natürlich gibt es auch Ausnahmen: Tatsächlich gilt oben Gesagtes nicht für jeden Laden in der Stadt. Und ich gehe auch gezielt dahin, wo man meinen Namen kennt, mich als Kunde schätzt und mich regelmäßig zufrieden stellt. Nur das diese Anlaufpunkte immer rarer werden.
Sie sind Händler und kennen mich nicht? Denken Sie mal drüber nach… vielleicht war ich schon einmal, also nur einmal, bei Ihnen…



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